Nein sagen lernen und klassische Situationen, in denen es uns schwer fällt, dies zu tun

„Ich würde Dir gern helfen, aber noch lieber will ich das nicht tun.“ So oder so ähnlich könntest Du bei Anfragen oder Bitten antworten, wenn Du selbst viel zu tun oder überhaupt keine Lust hast. Nein sagen lernen möchte jeder Mensch! Wirklich Nein zu sagen fällt vielen Menschen schwer. Natürlich macht der Ton die Musik und es kommt immer auf die richtige Dosierung und die korrekte Balance an. Es ist wichtig, für seine Meinung einzustehen und auch mal den Mund aufzumachen. Dazu gehört auch das „Nein“ sagen! Das gilt nicht nur dann, wenn Du mit einem Angehörigen über Deine Misophonie sprechen möchtest, Dich aber nicht so richtig traust. Lerne in diesem Blogartikel, warum es uns Menschen schwer fällt, Anfragen und Bitten zu verneinen. Erfahre, wie Du in Zukunft lernen kannst, Nein in der richtigen Dosierung zu sagen.

Es gibt viele verschiedene Situationen, in denen wir uns ein „Ja“ entlocken lassen, obwohl wir lieber doch mit Nein geantwortet hättet. 

In einigen Situationen fällt es uns leichter, in den anderen schwerer Nein zu sagen. Kennst Du das Gefühl, wenn Du entgegen Deiner Motivation dennoch Ja gesagt hast und dies später bereust

Gut für Dich, denn Du kannst Nein sagen lernen! Du bist nicht alleine – es geht vielen Menschen so. Denk mal 1 Minute drüber nach und ich bin mir sicher, dass Dir eine Situation einfallen wird, in der es Dir genau so ging! 

Vergleichsweise einfach ist es mit Nein auf die Frage zu antworten, ob Du zu Deinem Schnitzel noch ein Bier willst. (Wobei man natürlich die Frage nach einem weiteren Bier niemals niemals nie nie verneint, aber das ist was anderes.)

Bei diesem „nein“ zum Bier hast nichts zu befürchten, Deine Karriere hängt nicht davon ab, Du musst Dich nicht mit den Konsequenzen befassen

Auf der anderen Seite ist es schwieriger, einem Arbeitskollegen mit Nein zu antworten, wenn er Dich um das Übernehmen einer Aufgabe bittet. 

Wenn Du selbst genug zu tun hast, wird Dich das Übernehmen der Aufgabe in zeitliche Engpässe bringen. Hierbei kommt man dann schon mal ins Grübeln. Welche Konsequenzen sind zu befürchten und was passiert, wenn Du verneinst? 

Willst Du Konsequenzen vermeiden und sagst dennoch Ja? Du willst Dich nicht unbeliebt machen und gemocht werden? Dein Ziel ist sicher Nein sagen lernen, ohne dass Du unsympathisch und überfordert rüber kommst? 

Warst Du schon ein mal in der Situation, dass Du jemandem Geld geliehen hast und Du es nie zurückbekommen hast? Würdest Du bei der nächsten Frage (der gleichen oder einer anderen Person) nach Geld Nein sagen? 

Oder würde Dich Dein Gewissen dazu bringen, wieder Geld zu verleihen, vielleicht sogar mit der Gewissheit, dass Du das Geld nicht wieder sehen wirst? Lässt Du Dich leicht umbiegen oder bleibst Du bei Deinem ersten Nein?

... in der Fußgängerzone oder an der Supermarktkasse

Schauen wir uns folgendes Beispiel an: ein Verkäufer spricht Dich in der Fußgängerzone an. 

Du läufst an ihm vorbei und das erste Ansprechen wehrst Du noch mit einem Nein ab. Anschließend ruft er/ sie Dir dann noch etwas hinterher. 

Plötzlich wirst Du schwach und drehst Dich nun doch um und gehst zu ihm hin. In der Verkaufspsychologie gilt der Grundsatz, dass man seinem potenziellen Kunden ein einfaches „Ja“ entlocken soll. Dann fällt es diesem nicht mehr so schwer auf weitere Fragen mit Ja zu antworten. 

Deshalb ist das Cross-Selling auch so erfolgreich: Bier zum Schnitzel, Brillenputztuch und Brillenetui zur Brille, ein Objektiv oder eine Kameratasche zur Kamera, Spiele zur Spielekonsole, Imprägnierspray zu den neuen Schuhen. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde ein zusätzliches Produkt kauft ist hoch, da er bereits zu einem Produkt Ja gesagt hat und dieses thematisch in den bereits getätigten Kauf passt. 

Ein weiteres klassisches Beispiel ist das Süßigkeitenregal an der Supermarktkasse. Eltern fällt es hier sicher schwerer Nein zu sagen, da sie sich das Geschrei vom Kind ersparen wollen. 

Ein Ja beruhigt das Kind. Supermärkte nutzen diese Drucksituation gnadenlos aus und entlocken den Eltern ein Ja auf die Frage nach Süßigkeiten. 

Sie antworten gezwungenermaßen mit einem Ja auf das Gebettel der Kinder, um der Konsequenz „Geschrei“ aus dem Weg zu gehen. Das Nein sagen lernen gilt ebenso für Erwachsene als auch für Kinder.

Warum fällt es uns so schwer, Nein zu sagen? 9 Gründe für die Angst vor dem "Nein"

Es kann vielerlei Gründe geben, warum wir uns nicht trauen, in alltäglichen Situationen Nein zu sagen. Mal sind die Gründe einfach, mal sind sie etwas komplexer. Ich habe 9 Gründe gesammelt, die uns eher Ja als Nein sagen lassen:

9 Gruende warum wir schlecht nein sagen können und wie nein sagen lernen
9 Gründe, warum wir uns nicht trauen, NEIN zu sagen.

Gründe, um auch mal NEIN zu sagen!

Dabei gibt es sehr gute Gründe, sich zu trauen, Nein zu sagen. Lass uns diese Gründe mal betrachten und uns bewusst machen, wie wir nein sagen lernen können:

Grenzen ziehen: Wenn Du Nein sagst, dann ziehst Du Dir und Deinem Gegenüber ganz klare Grenzen. Bis hier hin und nicht weiter. Keine weitere Aufgabe. Ich habe genug zu tun. Ich kann mich nicht noch um Dein Zeug kümmern. Das verschafft Dir auch Respekt und macht Dein Ja in anderen Situationen mehr wert.

Deine Ziele verfolgen: Durch ein Nein lässt Du Dich nicht von Deinen Zielen abbringen. Es fällt Dir wesentlich leichter ohne weitere Ablenkung Dich voll und ganz auf Dein Vorhaben zu konzentrieren und Dein Ziel zu erreichen. Du priorisierst Dich und nicht die anderen. Das ist gesunder Egoismus und völlig legitim.

Selbstverantwortung & Selbstbewusstsein: Wenn Du Nein sagst übernimmst Du für Dich und Deine Aufgaben Verantwortung. Das ist nicht nur erwachsen sondern steigert auch gleichzeitig Dein Selbstbewusstsein.

Nein macht glücklich: Sind wir ehrlich: Nein sagen kann glücklich machen. Es ist sehr befreiend mit gutem Gewissen „Nein“ auf eine Bitte zu antworten, auf die man überhaupt keine Lust hat! Befreiung pur. Es ist geil, einfach mal nein zu sagen. Du bist damit Herrscher Deiner selbst, Du bist selbstbestimmend, Du bestimmst Dein Leben und das wird Dir solchen Situationen ganz besonders bewusst.

Kampf gegen Deine Angst: Im Grunde bewegt uns die Angst vor Konsequenzen lieber dann doch Ja zu sagen als Nein. Wenn Du Nein sagst, kämpfst Du proaktiv gegen diese Angst an. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Menschen, die mit weniger Angst durchs Leben gehen, leben tendenziell entspannter und sind glücklicher.

Nein sagen lernen…

Es ist wichtig, die richtige Balance/ Dosierung beim Nein sagen zu finden. Dein Nein sollte bestimmend ausgesprochen sein aber natürlich auch nicht zu heftig, um niemanden zu verletzen. 

Du willst sicher niemanden mit Deinem Nein attackieren. Mögliche Fehlinterpretationen Deines „Nein“ sind möglich. Wie kannst Du das Nein sagen lernen mit der richtigen Dosierung?

Betrachte die Situation nüchtern:

Wäge Deine Antwort ab. Erbitte Dir ein wenig Bedenkzeit, wenn Dich ein Kollege fragt, ob Du seine Schicht übernehmen kannst. Musst Du deshalb Deine Pläne umwerfen? Priorisierst Du andere höher als Dich? Passt es in Deinen Zeitplan? Kannst Du dem fragenden Arbeitskollegen helfen oder kommst Du dann in zeitliche Engpässe? Was wird auf Dich zukommen, wenn Du Ja sagst? Wie viel Zeit kostet es Dich?

Erbitte Dir Zeit:

Es ist völlig legitim, dass Du kurz in Dich gehst und Deine Antwort durchdenkst. Nimm Dir die Zeit, sobald Du gefragt wirst und erbitte Dir Bedenkzeit. „Ich überlege kurz und sage Dir in 15 Minuten Bescheid“. So oder so ähnlich kannst Du Dir Bedenkzeit verschaffen. Überlege dabei, welche Konsequenzen das Übernehmen einer Aufgabe für Dich hat und entscheide nüchtern.
Du zahlst einen ungeplanten Preis:

Mach Dir das folgende bewusst: Immer wenn Du Ja sagst, zahlst Du einen ungeplanten Preis. Du wirst mit einer neuen Situation konfrontiert, Dein Aufwand erhöht sich, Deine Arbeit bleibt unter Umständen liegen, Du musst mehr Nerven investieren, Du bringst Deine Ressourcen für andere ungeplante Aufgaben auf. Überlege Dir, welchen Preis Du zahlst, wenn Du mit Ja antwortest. Mache Dir bewusst, dass sich möglicherweise Dein Stresslevel erhöht, Dein Aufgabenberg wird größer, es entsteht eine weitere Sache, an die Du denken musst, obwohl sie unter Umständen nicht in Deinem Verantwortungsbereich liegt. Wenn die Quantität Deiner Aufgaben steigt, fällt unter Umständen die Qualität Deiner Lösungen.

Du bist immer noch der gleiche Mensch:

Mach Dir bewusst, dass Du immer noch der gleiche Mensch bist, nachdem Du Nein gesagt hast. Du darfst Nein sagen, genau wie andere Menschen auch. Auf die Reaktion von anderen Menschen hast Du keinen Einfluss. Für die Gefühle anderer bist Du nicht verantwortlich, sehr wohl aber dafür, dass Du Dein Leben lebst, so wie Du es möchtest. Wenn andere Dein Nein nicht akzeptieren oder beleidigt sind, ist das ihr und nicht Dein Problem! Mach Dir bewusst, dass es Dein gutes Recht ist, Nein zu sagen. Du bist nicht verpflichtet, Ja zu sagen und jede Aufgabe oder Bitte anzunehmen.

Reflektiere die Situationen, in denen Du bereits Nein gesagt hast:

Gehe gedanklich in der Vergangenheit etwas zurück und überlege, ob es schon mal Konsequenzen hatte, wenn Du Nein gesagt hast. Können Dich die Personen deshalb weniger gut leiden, nachdem Du etwas verneint hattest oder blieb eure Beziehung von der selben Qualität? Wird die Beziehung durch ein offenes und ehrliches Verhältnis vielleicht noch besser und authentischer? Das sollte Dir auch helfen, in zukünftigen Situationen eine Grenze zu ziehen und leichter nein sagen zu können.

Reflektiere, was die Bittenden in Dir auslösen wollen:

Um entspannter Nein sagen zu können lohnt es sich ebenfalls zu reflektieren, was die bittenden Personen unter Umständen in Dir auslösen möchten. Wollen Sie Dir möglicherweise Schmeicheln oder Schuldgefühle in Dir hervorrufen? Vielleicht wollen Sie Druck auf Dich ausüben oder Mitleid in Dir auslösen? Wollen Sie Dich eventuell erpressen? Wenn Du eines dieser Muster dahinter erkannt hast, dann fällt es Dir sicher leichter, Nein zu sagen.

Der YouTube Kanal Glücksdetektiv hat ein interessantes Video zum Thema „nein sagen lernen“ erstellt: 

Unterschied zwischen Begründung/ Erklärung und Rechtfertigung – ein wichtiger Unterschied beim Nein sagen lernen

Einfach „NEIN“ sagen trauen sich die wenigsten. Meistens ist es uns dann doch wichtig, die zwischenmenschliche Harmonie aufrecht zu erhalten. 

Daher kannst Du Dein Nein auch kurz und knackig erklären, wenn Dir daraufhin fragende Blicke zugeworfen werden. Zum richtigen Nein sagen gehört die richtige Balance und die korrekte Dosierung. 

„Du brauchst Dich nicht zu rechtfertigen…“ ist ein oft gehörter Satz von Menschen, die ein Nein nicht akzeptieren können und eine Rechtfertigung bzw. eine Entschuldigung entgegen ihrer Aussage verlangen. 

Was ist der Unterschied zwischen einer Begründung und einer Rechtfertigung? Der Grat ist schmal… Sag ein mal diesen Satz völlig neutral als Erklärung und ein mal mit einem „unterwürfigen“ Ton als Rechtfertigung: „Nein, ich kann Dir bei der Aufgabe nicht helfen, da ich heute Abend schon verplant bin“. 

Begründung/ Erklärung: Die Begründung bzw. die Erklärung geschieht auf Augenhöhe zu Deinem Gesprächspartner, ganz neutral und nüchtern. Du erklärst sachlich, warum Du etwas nicht machen kannst ohne jegliche Schuldzuweisung. Stehe zu Deiner Entscheidung. Bei einer Begründung stehst Du hinter Deiner Antwort, Du hinterfragst sie nicht, und begründest sie ganz nüchtern. Du willst sie Dir nicht plausibel reden. 

Rechtfertigung: Bei der Rechtfertigung willst Du die Schuld von Dir weisen und unterstellst Dich gewissermaßen. Dein Unterton hat etwas von Entschuldigung in sich. Bei der Rechtfertigung können auch Empörung, Aggression und Trotz mitschwingen, aber auch ein schlechtes Gewissen. Du entschuldigst Dich dafür, dass Du die Aufgabe nicht übernehmen kannst. Du willst Dir selbst die Antwort plausibel reden. Ein identisch formulierter Satz kann sowohl als Begründung als auch als Rechtfertigung empfunden werden. 

Der Unterschied zwischen der Begründung und der Rechtfertigung ist in der Situation manchmal schwer zu erkennen und liegt eher in Deiner inneren Haltung als im außen. Es kommt also darauf an, wie Du den Satz sendest. Erklärst Du Dein Nein nüchtern ohne Schuldgefühle und Zwang Dich zu entschuldigen oder unterstellst Du Dich? Durch die Rechtfertigung soll das eigene Verhalten untermauert werden. Du willst anderen glaubhaft machen, warum Dein Verhalten richtig war. Du erklärst bei der Begründung jemandem etwas wohingegen DU DICH rechtfertigst bei der Rechtfertigung.

Nein sagen lernen zusammengefasst

Naja, Kommunikation ist nicht einfach wie wir gesehen haben. „Der Ton macht die Musik“. 

Genau so ist es, wenn Du Nein sagst. Und eben jener Ton unterscheidet auch, ob Du etwas erklärst oder Dich rechtfertigst. Neben klassischen Situationen, in denen es uns schwer fällt Nein zu sagen, haben wir 9 Gründe kennengelernt, warum wir schlecht Nein sagen können

Des Weiteren kennen wir jetzt die guten Gründe Nein zu sagen. Weil es geil ist! Möchtest Du die richtige Balance finden und Dein Nein begründen, kannst Du das jetzt tun, ohne, dass Du Dich oder Deine Entscheidung rechtfertigst! 

Bei Sekretaria lernst Du mit 12 Techniken, wie Du besser „Nein“ anstelle „Ja“ antworten kannst. Probier es aus! Es tut gut! Lass gesunden Egoismus walten! 

Mit einem einfachen „Nein“ kannst Du etwas für Deine Gelassenheit tun. Lies Dir auch den weiterführenden Blogartikel zum Thema Gelassenheit durch und erfahre, welche die 6 Schlüssel zur Gelassenheit sind!

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