Was ist Misophonie?

Du interessierst Dich für Tipps, wie Du im Alltag besser mit Deiner Misophonie zurecht kommst? Reagierst Du aggressiv und wütend auf bestimmte (Alltags-)Geräusche? Empfindest Du einen bestimmten Hass auf manche Geräusche oder kennst Du jemanden, auf den dies zutrifft? Leidest Du selbst an Misophonie bzw. bist ein Angehöriger eines Misophonikers? Möchtest Du wissen, was die Misophonie ist, was ein Trigger ist, welche Akteure sich bei diesem Störungsbild ergeben, welche Behandlungsformen es gibt bzw. welche anderen Maßnahmen außer einer Therapie in Frage kommen? All diese Fragen werden in folgendem Artikel beantwortet! Ebenfalls beschreibe ich Dir kurz, was mein Buch über Misophonie zum Ziel hat!

Schauen wir uns zunächst die Definition von Misophonie bei Wikipedia an:

Misophonie Geräuschempfindlichkeit Begriffsdefinition
Definition Wikipedia, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Misophonie

Bei der Misophonie handelt es sich um eine selektive Geräuschintoleranz mit körperlicher Reaktion auf akustische oder visuelle Reize. 

Beim Misophoniker wird eine Kampf- oder Fluchtreaktion („fight or flight“) ausgelöst. Bei der Misophonie handelt es sich dabei um „erlerntes“ Verhalten. 

Niemand ist also mit Misophonie auf die Welt gekommen oder Misophonie ist ihm angeboren. Die Misophonie entsteht durch Konditionierung, das bedeutet wir erlernen die Reflexreaktion, die wir nach einem Trigger durchführen. 

Laut Thomas H. Dozier ist der emotionale Druck, der in der Schule entsteht, häufig ein Grund für die Entwicklung einer Misophonie bei Kindern. 

Häufigkeit und Bekanntheitsgrad der Misophonie

Über die Häufigkeit des Störungsbildes lässt sich nur schwer eine Aussage treffen. In der Literatur findet man unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit von Misophonie. 

Eine Festlegung auf eine tatsächliche Häufigkeit ist demnach schwer zu tätigen.  

In der Bundesrepublik Deutschland leiden geschätzte 1-2 % der Bevölkerung an Misophonie, bei einer Bevölkerung von knapp 82 Mio. also zwischen 820.000 und 1.640.000 Menschen.

Mit 41.800 Ergebnissen bei Google kannst Du Dir sicher vorstellen, dass das Thema noch nicht sehr verbreitet ist. 

Misophpnie Google Suche
Der Suchbegriff "Misophonie" zeigt 48.900 Ergebnisse bei der Google Suche (Mitte April 2020).

Verglichen mit den Suchbegriffen „Burnout“ oder „Depression“ scheint der Anteil der Suchergebnisse für „Misophonie“ dann doch recht gering. 

Suchbegriff „Burnout“:

Suchbegriff Google Burnout
Der Suchbegriff "Burnout" zeigt 60.200.000 Ergebnisse bei der Google Suche (Mitte April 2020).

Suchbegriff „Depression“:

Suchbegriff Depression Google Suche
Der Suchbegriff "Depression" zeigt 440.000.000 Ergebnisse bei der Google Suche (Mitte April 2020).

Mir macht die folgende Grafik ein wenig Hoffnung, dass sich das Thema Misophonie in der Zukunft etwas weiter verbreitet und sich dadurch mehr Toleranz und Verständnis in der Gesellschaft entwickelt. Folgender Screenshot zeigt die Entwicklung der Suchanfragen bei Google Trends (2004 bis heute):

Google Trends Misophonie
Suchbegriff "Misophonie" bei Google Trends, 2004 - heute, April 2020

Was sind Trigger bei der Misophonie?

Trigger sind die Geräusche, die in einem Misophoniker Aggresion, Wut und Ekel auslösen können. Bei Triggern kann man zwischen auditiven (hörbare) und visuellen (sichtbare) Triggern unterscheiden. 

Bei auditiven Triggern wird die körperliche Reaktion durch ein Geräusch hervorgerufen. Bei visuellen Triggern reicht die Wahrnehmung einer bestimmten Bewegung/ Aktion über das Auge.

Jeder Misophoniker hat seine eigenen individuellen Trigger. Meistens wird die Fight-or-Flight-Reaktion durch einen Trigger ausgelöst, der mit dem Mundbereich, bzw. mit der Aufnahme von Nahrung, zusammenhängt. 

Dabei verteilen sich die Trigger unter Umständen auf verschiedene Personen und verschiedene Situationen. 

Was den einen Misophoniker triggert lässt den anderen Misophoniker unter Umständen völlig kalt.

Beispiele für auditive Trigger

  • Schlucken
  • Schmatzen
  • Schnarchen
  • Suppe schlürfen
  • Flüstern
  • Pfeifen
  • Klicken eines Kugelschreibers

Beispiele für visuelle Trigger

  • wenn sich Katzen/ Hunde säubern
  • Langsames Abstellen eines Glases
  • Beinwippen
  • Kauen
Beispiele für Trigger-(Geräusche)

Akteure der Misophonie

Warum ist es wichtig, die verschiedenen Akteure der Misophonie zu betrachten?  

Das hat mehrere Gründe: zum Einen soll Unterteilung in Gruppen die Transparenz für das Störungsbild erhöhen. 

Zudem soll damit auch die Wichtigkeit und auch die Verantwortung des Angehörigen dargestellt und betont werden. 

Zum anderen soll natürlich auch der Angehörige sensibilisiert werden für die Misophonie.

Ich möchte die Akteure der Misophonie in zwei Gruppen unterteilen. Der Misophoniker selbst und der Angehörige

  • Der Misophoniker, der von seiner Misophonie weiß, diese beim Namen nennen kann und den Grund kennt, warum er oder sie aggressiv und wütend auf Geräusche reagiert
  • Der Misophoniker, der noch nichts von seiner Misophonie weiß. Er/sie kann diese nicht beim Namen nennen und kann sich nicht erklären, warum er oder sie aggressiv und wütend auf Geräusche reagiert. Zu dieser Gruppe gehören einige Menschen. Ihre erste Vermutung ist es zunächst, dass sie "einen an der Waffel" haben
  • Der Angehörige, der von der Misophonie weiß kann damit offen umgehen und kann die eventuellen bösen Blicke oder schlimmstenfalls Ausraster des Misophonikers korrekt einordnen und nimmt dies nicht persönlich.
  • Der Angehörige, der nichts von der Misophonie weiß kann mögliche böse Blicke oder Ausraster auf sich und seinen Charakter beziehen. Er kann das Verhalten eines Misophonikers nicht nachvollziehen und hat kein Verständnis dafür.
Akteure der Misophonie
Akteure der Misophonie

Warum diese Gruppen-Unterscheidung? Beim Störungsbild der Misophonie hat der Angehörige, der eng mit dem Misophoniker zusammenlebt, einen erheblichen Anteil an dessen Lebensqualität

Wenn der Angehörige Bescheid weiß, kann er sich viel besser auf die Umstände des Misophonikers einstellen. Ist dem nicht so, kann eine eventuelle Beziehung zu einem Misophoniker zu einer wahren Herausforderung werden.

Misophonie Test und Selbstbewertung

Solltest Du an Dir selbst bemerkt haben, dass Du aggressiv und wütend auf manche Alltagsgeräusche reagierst, so kannst Du eine Selbstbewertung durchführen. 

Klicke auf den Link um auf den jeweiligen Selbstbewertungsbogen zu gelangen:

Diese Selbstbewertung ersetzt natürlich keine ärztliche Diagnose (eines Hausarztes und/ oder eines Psycho-/Traumtherapeuten).

Misophonie Behandlung und Therapieformen

Bevor wir uns den Therapieformen zuwenden möchte ich noch eine sehr informative Seite von Andreas Seebeck mit Dir teilen: Traum Akut von Andreas Seebeck. Andreas Seebeck beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Misophonie. Gleichzeitig ist er auch Betreiber der Plattform misophonie.de.

Gegenkonditionierung

Die Gegenkonditionierung ist ein Verfahren der Verhaltenstheorie. Es wird auf eine Minderung einer negativen Reaktion und eine Erhöhung der positiven Reaktion abgezielt.

Wie bereits in der Einführung beschrieben, entsteht die Misophonie durch Konditionierung. 

Hierbei handelt es sich um die unbewusste Verbindung des Betroffenen von negativen/ traumatischen Ereignissen mit einem Geräusch. 

Dabei wird eine sofortige, negative Reaktion hervorgerufen, da der Betroffene ohne, dass er es bewusst wahrnimmt, in die damalige Situation zurückversetzt wird. 

Beispiel: Einer meiner schlimmsten Trigger ist, wenn jemand beim Kauen mit den Zähnen aufeinander klappert. 

Diesen Trigger hatte ich schon als Kind und ich hatte nicht das beste Verhältnis zu meinem Vater, der aber dieses besagte Zähneklappern beim Kauen immer unabsichtlich gemacht und mich damit getriggert hat.

Die Gegenkonditionierung zielt darauf ab, diese schlechten Erlebnisse mit positiven Erfahrungen zu überschreiben, bzw. negativ empfundene Geräusche durch positive Assoziationen zu verdrängen. 

Heißt einfach formuliert, dass Dein Gehirn umprogrammiert wird. Während der Therapie werden angenehm empfundene Töne, wie Meeresrauschen oder andere Naturgeräusche mit einem Kopfhörer vorgespielt. 

Ebenfalls werden Bilder gezeigt, die mit positiven Emotionen verbunden werden (z.B. Meer, Strand, Berge, Fluss). Dies soll dabei helfen, die gehörten Trigger mit positiven Bildern zu verknüpfen. 

Dem Betroffenen wird sein Trigger in verminderter Lautstärke vorgespielt, während er schöne Bilder und Klänge konsumiert.

Weiterführende Informationen: Case Study von Thomas H. Dozier

Hypnose

Die Hypnose soll dabei helfen, gelernte Reiz- und Reaktionsmuster, also die automatisierten Abläufe, die bei einem Trigger durchlaufen werden, wieder neu zu erlernen. 

Die Reaktion auf die Reize läuft völlig automatisch ab und kann mit dem rationalen Verstand nicht kontrolliert werden.

Bei der Hypnose wird das Unterbewusstsein angesteuert und versucht dieses neu zu programmieren. 

Dein emotionales Empfinden und Dein emotionales Leben sollen dadurch restrukturiert werden. 

Die vorher noch als kritisch wahrgenommen Geräusche sollen mit einem positiven Gefühl verknüpft werden (ähnlich wie bei der Gegenkonditionierung), um mehr Lebensqualität dazu zu gewinnen. 

 

Der YouTube Kanal von Markus Pillon erklärt kurz und knackig, was Misophonie ist und wie sich Hypnose positiv auf Deine Misophonie auswirken kann.

Mit Hilfe der Hypnose soll die zugrundeliegende Ursache für Deine negativen Emotionen ergründet werden und aufgelöst werden. 

Trauma Buster Technique TBT

Mithilfe der Trauma Buster Technique sollen die automatisch ablaufenden Symptome eines Schocks oder eines Traumas aufgehoben werden. 

Dabei umfasst die Technik einen Prozess mit vier Schritten. Die Technik verwendet dabei Klopfakupressur und NLP (neurolinguistische Programmierung). 

Das Trauma- oder Schockmuster soll unterbrochen und die negativen Erinnerungen verfremdet werden. Erinnert man sich in der Zukunft an dieses Trauma, so werden keine belastenden, emotionalen Reaktionen mehr ausgelöst oder sie treten nur mehr in abgeschwächter Form auf. 

Bei TBT wird ausschließlich mit denjenigen körperlichen Reaktionen gearbeitet, die durch das Trauma hervorgerufen werden.

Während der Anwendung dieser Technik wird für eine angenehme und neutrale Atmosphäre gesorgt. Der Patient soll sich wohl fühlen, ohne dabei eine Wertung der Ereignisse zu erfahren. 

Es gibt bereits nachvollziehbare Ergebnisse bei Straftätern, Kriegsveteranen, Flüchtlingen und Folteropfern, Unfall- und Katastrophenopfern. 

Die TBT wird nicht nur bei Trauma und Schock eingesetzt, sondern auch bei Suchtverhalten oder chronischen Schmerzen.

EFT (Emotional Freedom Technique) Klopfakupressur als Teil der TBT

Bei der Klopfakupressur wird mit dem Zeige- und Mittelfinger bestimmte Meridianpunkte (fast jede chinesische Therapie nutzt die Theorie der Meridiane) am Körper stimuliert, bzw. abgeklopft. 

Bei den Meridianen handelt sich um Kanäle, die Verbindungen zu unseren Organen, zur Psyche und zu Körperfunktionen darstellen. 

Durch die Anwendung der Technik soll unmittelbar Stress, Aggression, Wut und Angst gelindert werden. Zu den Meridianpunkte, die ich in die Kategorien Kopf, bzw. Gesicht, Oberkörper und Hand aufgegliedert habe, zählen die folgenden:

Neurolinguistische Programmierung (NLP) als Teil der TBT:

Die neurolinguistische Programmierung bezeichnet eine Sammlung von Techniken, um Dein Leben positiver und erfolgreicher zu gestalten. 

Die NLP steht unter dem Ruf, dass sie manipulierend wirkt. 

Doch ich bin der Meinung, dass die NLP nur dann gefährlich werden kann, im Sinne von, dass Du manipuliert werden kannst, wenn Du sie nicht kennst. 

Hierbei lohnt sich definitiv ein Blick hinter die Kulissen. Wenn jemand NLP manipulierend gegen Dich verwenden möchte und Du die Techniken kennst, dann kannst Du das manipulierende Vorhaben sofort erkennen und reagieren.

7 Tipps für den Alltag im "Kampf" gegen Misophonie

  • Lege Dir ordentliche Kopfhörer zu: Nimm Dir die Zeit und suche Dir gescheite Kopfhörer aus, die Du immer und überall bei Dir trägst!
  • Sorge für Umgebungsgeräusche: Wenn Du bei Deiner Familie zum Essen eingeladen bist, schalte das Radio an!
  • Ziehe Dich an Deinen Rückzugsort zurück: Wenn es Dir zu viel wird, musst Du schnell runterkommen.
  • Erstelle Dein persönliches Misophonie-Notfallpaket: Alles ist erlaubt, was Dich vor Triggern bewahrt, wie zum Beispiel Deine Kopfhörer und Dein Handy, um Musik zu hören.
  • Schaue den Film “Quiet Please”: Besonders empfehlenswert, wenn Dich jemand als "übersensibel" hinstellt und Dir sagt, Du sollst Dich "nicht so anstellen"
  • Plane und strukturiere Deinen Tag, um Dich vorzubereiten: Verschaffe Dir einen Überblick, wann und wo Du getriggert werden könntest. Genau so gewinnst Du auch den Überblick über Ruhezeiten!
  • Sprich mit Deinen Angehörigen über Deine Misophonie: Darüber zu sprechen ist ein echter Quickwin! Damit kannst Du für eine bessere Atmosphäre sorgen.

Wenn Du ausführlichere Informationen zu den obigen Tipps möchtest, dann melde Dich im kostenlosen Newsletter an und Du bekommst mein kostenloses E-Book „7 einfache Methoden, um seltener getriggert zu werden“ geschenkt!

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Du bist nicht allein!

Der Bayerische Rundfunk hat vor einiger Zeit ein interessantes Video zum Thema Misophonie veröffentlicht. Gut, dass mittlerweile auch vermehrt Fernsehbeiträge mit dem Thema Misophonie bereitgestellt werden. 

Damit kann eine Verbreitung der Thematik erzielt werden. Wichtigste Information: Du bist nicht alleine mit Deinem Problem. 

Leise Trigger/ Triggergeräusche übertönen

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mir geht es so, dass gerade die leisen Geräusche meine größten Trigger sind. 

Wenn diese dann auch noch plötzlich kommen, ohne dass ich mich darauf vorbereiten kann, ist es umso anspruchsvoller.

Hier haben sich meine Kopfhörer als bewährtes Mittel herausgestellt. 

Unhöflich? Naja, dann ist das nun maöl so. Ich kann nichts dafür, was andere Menschen über mich denken. Ich kann aber meine Einstellung dazu ändern. 

Hierzu mal ein Beispiel:  

Ich führe immer und überall meine In-Ear-Kopfhörer mit. Sie haben mir schon oft geholfen. Beispielsweise habe ich eine Bus-Rundfahrt am Frankfurter Flughafen gemacht. 

Die Leiterin dieser Rundfahrt hat mich beim Sprechen derart extrem getriggert, dass ich kurz davor war, den Bus zu verlassen.

Die zwei Stunden BusRundfahrt auf dem Frankfurter Flughafen wären für mich zum Horrortrip geworden, hätte ich mein Notfallpaket nicht parat gehabt. 

Zum Glück habe ich mich selbst an den obigen 4. Tipp Erstelle Dein persönliches Misophonie-Notfallpaket“ gehalten!

Nur so konnte ich am Geschehen teilhaben, zwar ohne Ton und mit meiner Musik auf den Ohren, aber es war in Ordnung. Auf die blöden Blicke, warum ich mit Kopfhörern teilnehme, habe ich ********, naja, sie waren mir egal!

Über Misophonie sprechen lernen - der rote Faden

Viele bekannte Misophoniker fragen mich immer wieder, wie sie am besten drüber sprechen. Gibt es den perfekten Zeitpunkt? Wie sollen sie das Gespräch angehen?  

Wenn es Dir schwer fällt, darüber zu sprechen, dann musst Du eindeutig Deine Komfortzone verlassen. Gleichzeitig musst Du auch das nötige Selbstbewusstsein entwickeln, um ein solches Gespräch zu führen. Du musst Dir selbst genug wert sein, um für Dich einzustehen und deine Probleme anzusprechen

In meinem Buch Ich hasse Geräusche! habe ich einen vorgefertigten Brief an Angehörige geschrieben bzw. auch einen roten Faden erstellt, wie man ein solches Gespräch angehen kann. 

Und nein, den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Warte also nicht drauf. Einfach raus damit. Der Zeitpunkt ist nicht maßgeblich dafür, ob Dein Angehöriger Verständnis für Dich aufbringt oder nicht. Dessen Charakter und Toleranzgrenze ist wesentlich dafür!

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Der rote Faden für Dein klärendes Gespräch

Du weißt nicht, wie Du ein klärendes Gespräch über Deine Misophonie angehen sollst? Du weißt nicht, wie Du Deinem Gegenüber Deine Misophonie erklärst, ohne dass er/ sie sich persönlich angegriffen fühlt? Dann orientiere Dich doch einfach an dem folgenden Leitfaden: 

  • Selektive Geräuschintoleranz: Im ersten Schritt kannst Du Deinem Gegenüber erklären, was die Misophonie ist. Hierfür kannst Du obige Definition verwenden. Damit machst Du Deinem Gegenüber klar, dass es hierfür einen Namen gibt und dass Du nicht "spinnst" oder "Dich anstellst".
  • Reflexartige Reaktionen auf Geräusche mit Aggression, Wut, Ekel: Im nächsten Schritt kannst Du auf die möglichen Reaktionen eingehen.
  • Hat nichts mit Deiner Persönlichkeit oder Deinem Charakter zu tun: Mach Deinem Gegenüber deutlich, dass Deine Reaktion auf seine Geräusche nichts mit deren Charakter zu tun haben. Betone das immer und immer wieder, auch nach eurem klärenden Gespräch. Damit kannst Du vermeiden, dass Deine Angehörigen Deine Reaktionen persönlich nehmen.
  • Diejenigen Menschen triggern am häufigsten, die einem am vertrautesten sind: Erläre dann, dass genau dieser Punkt das "fiese" an der Misophonie ist. Diejenigen Menschen, die sich am Häufigsten mit Dir umgeben triggern Dich am Wahrscheinlichsten.
  • Liste mit Triggern: Zu dem klärenden Gespräch gehört meiner Ansicht nach auch die Liste an Triggern, die Dich bei demjenigen reagieren lassen.
  • Film „Quiet Please“: Schlage Deinem Gegenüber vor, dass ihr zusammen den Film "Quiet Please" schaut. Damit "beweist" Du, dass nicht nur Du die Misophonie hast sondern dass viele Menschen auf der Welt, aus jeder gesellschaftlichen Schicht davon betroffen sind.
  • Nenne Beispiele für Maßnahmen im Alltag. Damit zeigst Du Deinem Gegenüber, dass Dir Dein Anliegen wichtig ist und dass Du Dir bereits Gedanken um eine Lösung für euch gemacht hast, wie zum Beispiel beim gemeinsamen Essen Radio/ Fernseher laut stellen, Kopfhörer anziehen oder getrennt voneinander essen.
  • Zwei Seiten der Misophonie: Misophoniker und Angehöriger: Betone hierbei nochmal, dass Dein Gegenüber eine wichtige Rolle einnimmt und auch wesentlich daran beteiligt bzw. auch mit verantwortlich ist, dass es Dir gut geht.
  • Erklärung der Misophonie-Ampel für einfache Kommunikation des aktuellen Zustandes: Um in Zukunft besser miteinander zu kommunizieren, kannst Du Deinem Gegenüber auch die Kommunikation über die Misophonie-Ampel erklären.

Die Misophonie Ampel

Um einfach und unkompliziert mit meinen Angehörigen zu kommunizieren, habe ich mir eine Art Kommunikationssystem überlegt: Die Misophonie-Ampel. Hiermit kann ich einfach und schnell meinen aktuellen Gemütszustand kommunizieren, ohne viel Bla-Bla. Wenn Du dann noch zusätzlich Deinen Angehörigen verklickerst, was sie im jeweiligen aktuellen Zustand tun und lassen sollen, dann hast Du schon fast gewonnen. 

Danach schauen wir uns an, wie Deine Angehörigen im besten Falle reagieren sollten und was sie bitte lassen sollten.

Phase ROT

Misophonie Ampel Phase rot

Kontrollverlust, Aggression und Wut, Du kannst nicht mehr klar denken, keine rationale Entscheidung mehr möglich. Sehr starkes Ruhebedürfnis, Energieverlust

Phase GELB

Misophonie Ampel Phase gelb

Wut und Aggression klingen ab, Du bist hellhörig und wartest auf erneuten Trigger, Du reagierst „schlecht gelaunt“, Ruhebedürfnis, erschwerte Konzentrationsfähigkeit, Ungeduld

Phase GRÜN

Misophonie Ampel Phase grün

„Alles wieder gut“, Entspannung tritt ein, Stress klingt ab, Konzentration nimmt wieder zu, gelassener Zustand, Zeit um runter zu kommen, Dir geht es soweit gut

Wie sollen sich Angehörige in der jeweiligen Phase verhalten?

Phase ROT

Misophonie Ampel Phase rot

Wenn ein Misophoniker gerade getriggert wurde, helfen keine lieben Worte oder Entschuldigungen, à la „Ich mache das doch nicht extra“. 

Die beste Art damit umzugehen, ist einfach nichts zu sagen und den Misophoniker in Ruhe zu lassen. Am besten versucht ihr auch Geräusche zu vermeiden. 

Zeigt Verständnis für euren Angehörigen. Stellt euch auf diese Umstände ein, richtet die Umgebung so, dass der Misophoniker nicht getriggert werden kann und sich wohl fühlt. 

 

Phase GELB

Misophonie Ampel Phase gelb

Ja, liebe Angehörige, ihr könnt es euch sicher schon denken: Am besten ist es auch hier, den Misophoniker runterkommen zu lassen vom Trigger und zu versuchen, Geräusche zu vermeiden. 

Normale Gespräche sind teilweise wieder möglich. 

Zeigt weiterhin Verständnis. 

Ihr braucht aber auch keine Schuldgefühle zu haben, ihr könnt nichts dafür, dass ihr triggert. Das ist schon in Ordnung – wir Misophoniker verstehen das und nehmen das so hin!

Phase GRÜN

Misophonie Ampel Phase grün

In dieser Phase sind wir „wir selbst“ und ihr könnt mit uns ganz normal umgehen. Dennoch wäre es super, wenn ihr vorsichtig seid und versucht, uns nicht zu triggern. 

Genießt auch gleichzeitig die bestehende Harmonie und die unvergiftete Atmosphäre. Das habt ihr euch auch sicher verdient. Feiert diesen Moment! 

In dieser Phase sehe ich keine Gefahr, der Bildung neuer Triggern. Es gibt keine Anzeichen auf ein Reaktionsmuster, vielleicht Isolation als Selbstschutz. 

So kannst Du als Misophoniker richtig entspannen

Nicht nur für beruflich gestresste Menschen ist eine Entspannung unglaublich wichtig. Gerade für Dich als Misophoniker musst Du unbedingt Ausgleich schaffen und Dich entspannen. Hier einige bekannte Methoden, wie Du entspannen kannst:

  • Meditation: eine der Wohl bekanntesten Methoden richtig zu entspannen ist die Meditation. Damit ist nicht gemeint, dich im Lotussitz mit Räucherstäbchen und Klangschale ins Nirgendwo zu befördern. Nein, Du sollst einfach nur entspannen und mal nichts denken.
  • Yoga: Eine weitere Entspannungsform bietet uns Yoga. Kann unter umständen anstrengender sein, als es zunächst erscheint.
  • Autogenes Training
  • progressive Muskelentspannung
  • Thai Chi
  • Akupunktur
  • Wellness
  • Massage

Wenn Du einfach meditieren lernen willst, dann lies Dir hierzu mein Blogartikel „Einfach meditieren lernen“ durch. Dort findest Du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Du Deine erste erfolgreiche Meditationssession abhalten kannst.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Misophonie

Ich leide seit meiner Kindheit am Hass auf Geräusche – unbewusst. Und seit etwa 3 Jahren weiß ich, dass meine Störung die Misophonie ist. 

Das Kind hat seitdem einen Namen, was mir schon ungemein geholfen hat. Ich bin nicht verrückt, super! Es gibt viele von mir! 

Zu oft stößt das Thema Misophonie, der Hass auf Geräusche, auf Unverständnis. 

“Stell Dich nicht so an”, oder “Du bist aber sensibel” oder “Sei nicht so aggressiv, ich schmatze doch gar nicht” oder “Ich mache das doch nicht absichtlich” sind oft gehörte Sätze in meiner Vergangenheit.

Um meine Erfahrungen, Gedanken und Strategien gegen meine Misophonie zu dokumentieren, habe ich ein Buch geschrieben. 

Mein Buch „ICH HASSE GERÄUSCHE!“ hat zum Ziel, Verständnis für das Störungsbild der Misophonie zu erzeugen. 

Meine Intention ist, die Misophonie bekannter zu machen und die Sicht eines Betroffenen zu beschreiben. 

Viel zu oft bin ich in meiner Vergangenheit auf Unverständnis gestoßen, was mindestens genau so schlimm ist, wie getriggert zu werden. 

Die Gesellschaft und im Besonderen Angehörige von Misophonikern sollen für das Thema Misophonie sensibilisiert werden.

Eins steht fest: Je seltener Du getriggert wirst, desto besser. Die Maßnahmen und Tipps in meinem Buch "Ich hasse Geräusche!" sind Praxis getrieben, das heißt alle beschriebenen Maßnahmen helfen mir weiter, um mehr Lebensfreude und mehr Lebensqualität zu gewinnen. Ich habe bisher noch keine Therapie oder Hypnose durchgeführt und kann alleine mit diesen Maßnahmen mein Leben besser leben. Alleine, dass ich mit mir wichtigen Person drüber gesprochen habe, hat meine Lebensqualität gesteigert. Für mich ein wahrer „Gamechanger“.

Wie ist mein Leben, seit ich von meiner Misophonie weiß?

Auf jeden Fall ist das Wissen über meine Misophonie ein Gamechanger gewesen! Als ich noch nicht offen und ehrlich mit meiner Partnerin darüber gesprochen hatte, habe ich mir sogar überlegt, was wir abends zusammen essen können, wobei sie nicht so sehr schmatzt. 

Verrückt, ich weiß. Das waren dann immer trockene und knusprige Sachen, aber bloß keinen Käse oder sonstiges weiches Essen, was prädestiniert für Schmatzen ist. Nüchtern betrachtet, war es gleich, was sie gegessen hat. Sie hat mich mit ihrem Geschmatze immer an den Rand der Verzweiflung gebracht.

Wie lief das klärende Gespräch zwischen mir und meiner Partnerin ab? Wir waren eines morgens in einem Café und sind dort auf dieses Gespräch gekommen. Wir haben über eine Stunde meine Misophonie thematisiert. 

Wir sind die unterschiedlichen Situationen durchgegangen, die wir zu Hause erlebt hatten. Zum Beispiel, dass ich während des Essens einfach aufgestanden bin und etwas in der Küche geknallt habe oder, dass ich den Fernseher auf „Lautstärke: Atomkrieg“ gestellt hatte, dass ich bloß keine Schmatzgeräusche mehr hören kann. 

Sie hat mehr und mehr verstanden, warum ich schlecht gelaunt war, wenn sie mich wieder mal getriggert hatte. In diesem Gespräch habe ich gefühlt tausendmal betont, dass es nichts, aber rein gar nichts, mit ihrem Charakter oder ihrer Persönlichkeit zu tun hatte. 

Ganz im Gegenteil, ihre Persönlichkeit und ihr Charakter helfen uns heute dabei, eine gescheite Beziehung zu führen und mit der Misophonie klarzukommen. 

Das Gespräch hat die Last auf meinen Schultern extrem verringert und mir meinen Alltag sehr erleichtert. Seitdem hat sich mein Alltag nach und nach gebessert.

Ich fühle mich wesentlich entspannter und der Leidensdruck und das schlechte Gewissen haben mehr und mehr abgenommen. Je mehr ich über die Misophonie weiß desto besser kann ich mich und meine Mitmenschen darauf einstellen.

Vom Misophoniker für Misophoniker

Meine Erfahrungen habe ich in einem Buch beschrieben. In dem Buch findest Du meine persönlichen Erfahrungen und Tipps und Tricks, wie auch Du im Alltag besser damit leben kannst. Außerdem findest Du:

  • was Misophonie überhaupt ist und woher sie kommt ...
  • wie Du trotz Misophonie am Leben teilhaben kannst ...
  • wie Du Deine Lebensqualität und Deine Lebensfreude steigern kannst ...
  • wie es einem Leidensgenossen ergeht und welche Maßnahmen er im täglichen Leben etabliert hat, um nicht mehr so häufig getriggert zu werden und zur Ruhe zu kommen ...
  • welche Maßnahmen es gibt, bevor und nachdem man getriggert wurde ...
  • wie man im öffentlichen Leben damit umgehen kann und welche Tipps es für den Umgang mit Menschen im öffentlichen Leben gibt ...
  • wie Du Deine Mitmenschen für Deine Misophonie sensibilisieren kannst ...
Mein neues Buch "Ich hasse Geräusche!" über Misophonie bzw. Geräuschempfindlichkeit
Buchtipp: "ICH HASSE GERÄUSCHE!", März 2020

HIER geht es zum Taschenbuch bei Amazon.

Die Arbeit gegen Deine Misophonie musst Du eher ganzheitlich verstehen, indem Du an Deiner Persönlichkeit arbeitest, um mehr Ruhe in Dein Leben zu bekommen. 

Steigere Dein Wohlbefinden indem Du meditierst, regelmäßig Sport treibst und Dich gut ernährst (Schau Dir hierzu meinen Blogartikel „7 grundlegende Tipps, um Deine Geräuschempfindlichkeit nicht mit Fressattacken zu kompensieren“ an und sichere Dir den 27 Seiten umfassenden Ratgeber dazu – kostenlos!). 

All das sorgt für eine innere Ausgeglichenheit, die Deinen Stresslevel senkt und Dich mit Deiner Misophonie besser klarkommen lässt.

Zusammenfassung

Die beiden wichtigsten Punkte für jeden Misophoniker sind wohl: darüber sprechen zu lernen und Verständnis bei ihren Mitmenschen erzeugen mit dem Ziel nicht getriggert zu werden. Für einen Misophoniker ist nichts schlimmer (außer getriggert werden), wenn jemand mit Unverständnis und Ignoranz auf die Störung reagiert. 

Wir behandeln Menschen im Rollstuhl, mit Depression, mit Burnout, mit Krebs auch entsprechend. So sollten wir auch mit Misophonikern umgehen.  

Wenn Du bisher Zweifel hattest und dachtest, dass „Du einen am Schwimmer hast“, dann kannst Du Dir jetzt sicher sein, dass Du nicht verrückt bist und dass noch viele andere Menschen an diesem Störungsbild leiden.

Die Geräusche, die Dich stressen, nennen sich Trigger, die sich wiederum in auditive und visuelle Trigger unterteilen. 

Wir haben die verschiedenen Akteure der Misophonie kennengelernt und haben einen Überblick über verschiedene Selbstbewertungsmaßnahmen gewonnen. 

Ich bin Überzeugung, dass sich Dein Leben schon mit mehreren kleinen Maßnahmen bessern wird, indem Du zum Beispiel für ausreichend Ausgleich sorgst, Raum für Entspannung hast, Du darüber sprichst und Dich mit Menschen austauschst, die Dich verstehen und Dir mit Verständnis entgegnen. 

Ich bitte hiermit eindringlich JEDEN MENSCHEN, der die Misophonie bzw. die daran leidenden Personen belächelt oder nicht ernst nimmt, nochmal in sich zu gehen und sich zu hinterfragen.

Gut, was lernen wir jetzt daraus? An Misophonie zu leiden ist richtig beschissen! Aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Brust raus und Feuer Frei. Nimmt Dein Leben selbst in die Hand!

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Bei Deinem weiteren Weg wünsche ich Dir von Herzen alles Gute!

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