Misophonie nur bei bestimmten Personen

Darum macht sich die Misophonie nur bei bestimmten Personen bemerkbar

Dein Lebenspartner triggert dich sehr stark, während dich andere Familienmitglieder überhaupt nicht triggern? Bei den meisten Menschen machen dir Geräusche nicht sonderlich viel aus. Bei wenigen Menschen achtest du besonders auf deren Geräusche (nicht bloß Essens- oder Kaugeräusche). Erst, wenn du den Kontakt zu Ihnen intensivierst. Du fragst dich, warum Misophonie nur bei bestimmten Personen zum Vorschein kommt?

Hier liegt das Problem begraben: Wir entwickeln meistens den Hass auf Geräusche auf diejenigen Menschen, mit denen wir am häufigsten zu tun haben. Unweigerlich. Das sind tendenziell diejenigen Menschen, mit denen wir auch am liebsten Zeit verbringen. Partner, Familie, Freunde.

Bei mir ist das so ähnlich: Meine Partnerin kann ich nicht essen hören, wohingegen ich einem Bürokollegen hingegen “gerne” beim Essen zuhörte. In der Anfangszeit hat mich meine Partnerin beim Essen überhaupt nicht getriggert. Im Laufe der Zeit habe ich dann mehr und mehr aggressiv und wütend auf Ihre Essensgeräusche reagiert. Für Beziehungen wird die Misophonie dadurch zu einer Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. 

Im heutigen Beitrag schauen wir uns genauer an, warum sich deine Misophonie nur bei bestimmten Personen bemerkbar macht. Außerdem gebe ich dir noch ein tolles Argument mit, wie du diesen Sachverhalt sogar positiv auslegen kannst (mehr dazu am Ende des Artikels).

Warum deine Misophonie nur bei bestimmten Personen so extrem ausfällt

Die Misophonie ist ein lebenslanger Begleiter. Sie ist treu und weicht einem nicht von der Seite. Doch manchmal scheint es, als würde ihre Intensität je nach Person variieren. Es gibt Menschen, die uns extrem triggern. Mehr als andere. Aber woran liegt das? Warum fällt die Misophonie nur bei bestimmten Personen so extrem aus?

Wie stark Du von jemanden getriggert wirst, hängt meistens von der Beziehung zu dem Betroffenen ab. Das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Wenn Du zum Beispiel ein schwieriges Verhältnis zu jemanden hast, dann können seine Geräusche dich schneller triggern. Vielleicht besteht unterschwellig ein Konflikt zwischen Euch. Das wirkt sich dann auch dementsprechend auf die Misophonie aus. 

Grundsätzlich gilt: Alles, was in dir Stress und Anspannung hervorruft, ist ein guter Nährboden für deine Misophonie: bestehende Trigger intensivieren sich, neue Trigger kommen hinzu.

Hier könnte es helfen, wenn man mit der Person das Gespräch sucht. Wenn der Konflikt beseitigt ist, reduziert das auch gleichzeitig die Anfälligkeit für Trigger bei diesem Menschen. Außerdem ist es auch eine Chance, die Misophonie anzusprechen. Es kann aber auch sein, dass dich jemand extrem triggert, obwohl diese Person Dir sehr am Herzen liegt. 

Diejenigen, die wir lieben, können uns am meisten verletzen

Der Schriftsteller Paulo Coelho sagte einmal: „Diejenigen die wir lieben, können uns am meisten verletzen.“ Das trifft auch häufig auf die Misophonie zu. Als Beispiel führe ich hier mal den Partner oder die Partnerin an.

Wir verbringen die meiste Zeit mit dieser geliebten Person. Und dadurch sind wir auch regelmäßig deren Geräuschen ausgesetzt. Daraus resultieren schnell Trigger. Außerdem ist uns diese Person sehr wichtig und wir reagieren vielleicht heftiger, weil wir besonders auf sie achten.

Hier empfiehlt es sich, der Person deutlich zu machen, dass man das Geräusch hasst, nicht den Verursacher. Des Weiteren eröffnet das einen neuen Blickwinkel auf das Gespräch über die Misophonie. 

Denn man kann dem Partner oder der Partnerin erklären, dass sie einen triggern, weil man ihnen eben besonders viel Aufmerksamkeit schenkt. Mehr als anderen Menschen.

Wie du siehst, kann es auch positive Gründe geben, warum die Misophonie nur bei bestimmten Personen besonders stark ins Gewicht fällt. Zumindest kannst du das argumentativ sehr gut für dich auslegen. Mehr dazu später.

 

Man fühlt sich alleingelassen mit der Misophonie

Aus diesem Grunde gibt es diesen Blog! Du bist nicht alleine! Es gibt Menschen, die dich sehr wohl verstehen. Es gibt Leidensgenossen, die deine Ängste nachempfinden und selbst durchleb(t)en. Ich möchte Aufklärungsarbeit über diese Störung leisten. Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, ihr Zusammenleben besser zu gestalten.

Und warum ist mir das alles so wichtig? Ich litt schon unter der Misophonie, als die Störung noch gar nicht bekannt war. Und damit fühlte ich mich sehr alleine. Ich begann an mir zu zweifeln. Fragte mich, ob ich verrückt bin. Was mit mir denn nicht stimmte. Irgendwann stellte ich meine Persönlichkeit infrage.

War ich ein schlechter Mensch? Dieser “Charakterzug” oder diese “Eigenschaft” an mir schien nicht normal zu sein. Mir war bewusst, dass meine Reaktion auf gewisse Geräusche völlig überzogen waren und stark von der Norm abwichen. Hinzu kam, dass man mich nicht ernst nahm, wenn ich darüber sprach. 

Für Nicht-Betroffene sind Geräusche völlig nebensächlich, während sie für Betroffene regelrecht den Mittelpunkt ihres Lebens bilden – im negativen Sinne.

“Gewöhne dich doch an das Geräusch”

Ich war Kommentaren ausgesetzt, die mir signalisierten, dass ich mich bloß anstelle. Und dass ich mich einfach nur zusammenreißen müsse. Ich solle mich doch bitte an das Geräusch gewöhnen, dann würde es mir nicht mehr so viel ausmachen.

Ja, okay, ist klar. 

So geht oder ging es dir sicher auch. Du fühlst dich alleine und unverstanden. Und gerade deswegen ist es umso wichtiger, dass Du über die Misophonie sprichst. Damals war die Misophonie noch eine Unbekannte. Glücklicherweise hat sich das geändert.

Als ich das erste Mal von ihr erfuhr, war das eine Erleichterung. Mit Tränen in den Augen habe ich auf meiner Couch gesessen und das Buch Misophonie verstehen und überwinden von Thomas Dozier gelesen.

Endlich gab es einen Begriff für mein Leiden. Ich fühlte mich nicht mehr unverstanden und beschloss, dass ich anderen Misophonikern und auch ihren Angehörigen helfen möchte.

Falls Du Unterstützung beim Gespräch über die Misophonie benötigst, dann bin ich gerne für dich da und unterstütze dich dabei. Du kannst mich jederzeit kontaktieren. Schreibe mir gerne eine E-Mail oder schreibe mir bei Instagram.

Der Kampf um Verständnis für die Misophonie kostet Energie

Krankheiten, die man nicht sieht, haben einen Nachteil: Es fällt anderen schwer, Empathie für die Betroffenen zu entwickeln. Wenn man selber nicht unter einer Depression leidet, kann man sich nur schwer vorstellen, was Menschen mit Depression durchmachen müssen. Und genauso verhält es sich auch bei der Misophonie.

Wenn jemand ein gebrochenes Bein hat, dann trägt er einen Gips. Ihm fällt das Laufen schwer und er braucht Unterstützung. Visuell nehmen wir sein Leiden wahr und können uns auch leichter in den Betroffenen einfühlen. Wir halten ihm die Tür auf, besuchen ihm im Krankenhaus und helfen ihn, soweit es möglich ist.

Jemand mit einem gebrochenen Bein muss nicht um Verständnis kämpfen. Es wird ihm automatisch zukommen. Anders verhält es sich bei psychischen Krankheiten.

Bei der Misophonie kommt erschwerend hinzu, dass die Erkrankung NOCH nicht anerkannt ist. Zwar gibt es bereits Studien und Untersuchungen, die ihre Existenz nachweisen, trotzdem wurde sie noch nicht in den Katalog für psychische Erkrankungen aufgenommen. 

Sich dauernd rechtfertigen zu müssen ist anstrengend

Und leider gibt es Menschen, die absolut kein Verständnis für die Misophonie haben. Wenn wir mit einer solchen Person zusammenleben, kann uns das viel Kraft und Energie rauben. Alleine die ständigen Rechtfertigungen, was einem einfällt, den Tisch fluchtartig zu verlassen. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Wenn Du Dich immer wieder erklären musst, dann wird das auf Dauer anstrengend. Und es gibt noch schlimmere Fälle. Von einigen meiner Follower weiß ich, dass sie mit Absicht von anderen getriggert werden. Ein sehr respektloses Verhalten. Auch ich musste negative Erfahrungen sammeln. Wegen meiner Aufklärungsarbeit für die Misophonie, wurde ich bereits beleidigt und beschimpft.

Ich habe gelernt damit umzugehen, aber für den einen oder anderen Misophoniker kann das ein Grund sein, sich erst recht zurückzuhalten.

Mein Vorschlag: Sprecht trotzdem über die Misophonie. Sollte sich jemand Euch gegenüber respektlos verhalten, dann wisst Ihr auch, wo und wie Ihr diese Person einordnen könnt.

Weitere Gründe, warum man nicht über die Misophonie spricht

Wenn wir vor vielen tausend Jahren aus einer Gruppe ausgeschlossen wurden, dann bedeutete das meistens den sicheren Tod.

Zwar ist das heute nicht mehr der Fall, aber die Ur-Angst sitzt immer noch tief in der Seele der Menschen. Da die Misophonie eben noch keine anerkannte Krankheit ist, weichen wir damit in den Augen einiger von der Norm ab. Und genau aus diesem Grund fürchten wir von anderen ausgegrenzt oder ausgeschlossen zu werden.

In vielen Köpfen von Misophonikern sitzt folgender Gedanke: Wenn wir über unsere Erkrankung sprechen, dann geben wir eine Schwäche preis. Und die könnte möglicherweise gegen uns verwendet werden. Deswegen aktiviert sich unser Selbstschutz. Wir möchten nicht angreifbar und verletzlich sein.

Lass mich dir dazu eines sagen: du musst dich nicht für die Misophonie schämen! Es ist keine Schwäche, wenn Du darüber offen und ehrlich sprichst. Eher im Gegenteil. Es beweist Mut und Stärke. Sei Dir dessen immer bewusst.

Das passiert nach dem “Outing”

Vielleicht machst du dir Gedanken, ob dein „Outing“ bei der anderen Person einen gewissen Druck aufbauen könnte.

Der Betroffene weiß im ersten Moment nicht, wie er sich verhalten soll. Dabei geht es nicht darum, dass die Person sich einschränken muss. Sie muss nur akzeptieren, dass du dich schützen wirst. Mein neues Buch „Misophoniker Bodyguard“ richtet sich explizit auch an die Angehörigen von Betroffenen.

Dort zeige ich verschiedene Strategien und Methoden, die sowohl Misophonikern als auch deren Angehörigen helfen werden. Falls Du mehr über mein neues Buch “Misophonie verstehen für Angehörige” erfahren möchtest, dann schau gerne mal hier nach.

Insbesondere wenn die Misophonie nur bei bestimmten Personen sehr stark auftritt, ist es höchste Zeit, das Gespräch zu suchen. Eine mögliche Sorge, die uns von einer solchen Unterhaltung abhält, könnte Folgende sein: Unser Gegenüber denkt, wir wollen nur Aufmerksamkeit oder Mitleid erzeugen.

Das ist natürlich nicht der Fall. Es geht wirklich nur darum, über die Misophonie aufzuklären und eben für Verbesserung des Verhältnisses zu sorgen.

Über die Misophonie sprechen – Darum brauchst Du keine Angst haben

Mache Dir bewusst, dass über 90% unser Sorgen nicht eintreten werden. Sorgen halten uns in Bewegung, aber wir kommen nicht vorwärts. Hin und wieder müssen wir unsere Komfortzone verlassen und auch mal etwas wagen. Dazu gehört auch das Gespräch über die Misophonie.
Lass mich dazu noch etwas sagen: Besonders in den sozialen Medien kommt es häufiger zu dreisten oder beleidigenden Kommentaren. Wie ich bereits geschrieben habe, ist mir das auch schon passiert. Lass dich nicht verunsichern.

Im Internet und im Schutze der Anonymität, zeigen sich einige von ihrer schlechten Seite. Wenn sie dir aber gegenüberstehen müssten, würden sie vermutlich nicht einen verletzenden Satz sagen können.

In meinem aktuellen Video findest Du noch wertvolle Informationen zu dem heutigen Beitrag. In der Beschreibung findest Du noch einige Links, die Dir und Deinen Angehörigen im Kampfe gegen die Misophonie helfen werden. Ich bedanke mich für Deine Aufmerksamkeit.

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird

Natürlich machst du dir Gedanken, wie dein Gegenüber reagieren wird. Es ist menschlich, dass du ein leichtes Kribbeln in der Magengegend merken wirst. Aber lass dir bitte eines gesagt sein: In den meisten Fällen wird die Unterhaltung positiv verlaufen. So zumindest meine Erfahrung. 

Immer wenn ich über die Misophonie spreche, dann fragen mir meine Gesprächspartner Löcher in den Bauch, weil sie so sehr am Thema interessiert sind. Und das ist schön zu wissen.

Dein Gegenüber ist wahrscheinlich sogar sehr froh, dass du so offen und ehrlich mit ihm kommunizierst. Endlich kann er oder sie verstehen, was mit dir los ist. Und gleichzeitig seid ihr in der Lage, euer Zusammenleben auf ein neues Level zu heben.

Letztendlich ist das Gespräch über die Misophonie für beide Parteien erleichternd. Es kann zwar eine Weile dauern, bis Ihr ein eingespieltes Team seid, aber das ist völlig normal. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Alles braucht Zeit und Geduld. Aber es lohnt sich.

Im folgenden Video fasse ich nochmal für dich zusammen, warum es uns Misophonikern schwerfällt, darüber zu sprechen:

Wenn dich bestimmte Geräusche einer Person aggressiv machen, dann sind das meistens diejenigen Menschen, mit denen man am meisten Zeit verbringt. Man verbringt gerne mit denjenigen Menschen am meisten, die man sehr mag. 

Diese Argumentation beschreibe ich gerne, wenn ich mit jemandem über die Misophonie spreche und derjenige mich triggert: “Sei doch froh, wenn du mich triggerst, das heißt implizit, dass ich gerne Zeit mit dir verbringe und dich mag.

Vielleicht ein ganz interessanter Blickwinkel für deine nächsten Gespräche über Misophonie.

Zum Vorschein kommt deine Misophonie nur bei bestimmten Personen. Das heißt aber nicht automatisch, dass du deine Abneigung gegenüber dieser Person hast. Beispielsweise können wir mit unserer Triggerperson verheiratet sein. So ist die Misophonie nun mal: Ihre Auswirkung entwickelt sich häufig bei bestimmten Personen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen.

Wenn du an deiner Misophonie arbeiten möchtest, dann lade ich dich auf ein kostenfreies Beratungsgespräch mit mir und/ oder meinem Kollegen Andreas Seebeck ein. Wir sprechen über deine individuelle Situation, wie du im Alltag noch besser umgehst und vorallem, wie du deine Reaktion auf Geräusche nachhaltig und langfristig abmildern kannst. Hierzu zeigen wir die bewährte Methoden (wie beispielsweise PME, TVT, TRE uvm.), die du täglich anwenden kannst und schon nach wenigen Wochen (in Kombination mit ausgeklügelten Organisationsstrategien) eine deutlich Besserung verspürst.

Dieses 60-minütige kostenfreie Beratungsgespräch via Zoom läuft in der Regel wie folgt ab:

– Du erzählst uns von deiner individuellen Herausforderung.

– Wir erarbeiten gemeinsam deine individuelle Vorgehensweise, wie du im Alltag seltener getriggert wirst und Trigger abmilderst.

– Wenn du interessiert bist und die Chemie zwischen uns stimmt, stellen wir dir unser bewährtes Programm vor, wie ich und über 50 andere Betroffene es geschafft haben, mit Misophonie deutlich besser im Alltag umzugehen und wesentlich seltener (oder gar nicht mehr) getriggert zu werden.)

Sichere dir hier deinen kostenfreien Beratungstermin mit uns und wir sprechen darüber, wie du mit Misophonie im Alltag besser umgehst, um seltener getriggert zu werden.

Weniger Trigger & mehr Leben,
Dein Patrick von Misophoniehilfe

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