Misophonie Definition – Endlich ist es offiziell

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Misophonie Definition – Endlich ist es offiziell

Im Jahre 2001 wurde der Begriff „Misophonie“ erstmals durch die amerikanischen Neurowissenschaftler Pawel und Margaret Jastreboff geprägt. Man sprach von einer verminderten Geräuschtoleranz gegenüber bestimmten Geräuschen. Die Stimuli, die Reaktionen wie Wut, Hass oder Ekel hervorrufen, nannte man Trigger. Und obwohl man diese Erkenntnisse bereits hatte, ist die Misophonie bis heute nicht als auditive oder psychiatrische Erkrankung klassifiziert worden.
Gut 20 Jahre später ist man in der Forschung ein ganzes Stück weiter. Knapp einen Monat vor dem „Misophonia Awareness Day“ ( der immer am ersten Montag im Mai stattfindet ) ging das Thema Misophonie Definition in eine entscheidende Runde. Am Mittwoch, den 07.04.2021, wurde ein Papier namens „A Consensus Definition of Misophonia: Using a Delphi Process to Reach Expert Agreement“ veröffentlicht. In der Zeit von Juni 2020 bis Januar 2021 arbeitete eine Expertengruppe zusammen. Die Gruppe bestand aus 15 Personen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Wissen über die Misophonie. Und sie hatten ein Ziel: Eine gemeinsame und allgemeingültige Misophonie Definition abzuleiten. An diesem Projekt waren die Länder USA, Kanada, UK, Niederlande und Italien beteiligt.
Dieses Abstimmungsverfahren umfasste vier sich wiederholende Runden. Dabei wurden 68 Referenzen mit 551 Statements bzw. Definitionen von Misophonie verglichen und beurteilt. Anhand dieser Beurteilung wurde entschieden, ob die jeweilige Formulierung der Definition mit in die finale Definition aufgenommen oder ausgeschlossen wurde. Das ganze basierte auf der aktuell verfügbaren wissenschaftlichen und klinischen Nachweisbarkeit.
Um in die finale Definition aufgenommen zu werden, musste die Definition 80 % Einigkeit der Teilnehmer erzielen. Außerdem hatte man sich für eine Gruppenentscheidung ausgesprochen, weil diese valider als Einzelentscheidungen ist.
Was letztendlich dabei herausgekommen ist und welche Bedeutung es für die Misophonie hat, erfährst Du in meinem heutigen Beitrag. Wie gewöhnlich erwartet Dich zum Schluss des Artikels noch ein aktuelles Video von mir. Dort fasse ich das Thema anschaulich und triggerfreundlich für Dich noch einmal zusammen.
Bevor ich Dir die Ergebnisse präsentiere, habe ich an der Stelle noch ein kleines Geschenk für Dich. In meinem ersten Buch „Ich hasse Geräusche!“ beschreibe ich anschaulich, wie ich mein Leben trotz Misophonie glücklich und entspannt gestalten kann. Sichere Dir jetzt Dein Exemplar. Du zahlst lediglich die Produktions- und Versandkosten von 5,95 Euro.

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So lautet die aktuelle Misophonie Definition

Man einigte sich schließlich auf eine Misophonie Definition. ( Und die findet man hier ) Und die lautet wie folgt: Bei der Misophonie handelt es sich um eine Störung der verminderten Toleranz gegenüber bestimmten Geräuschen und Reizen. Diese Reize bezeichnet man auch als Trigger. Sie werden als besonders unangenehm oder beunruhigend empfunden. Und sie neigen dazu, starke negative emotionale, physiologische und verhaltensbezogene Reaktionen hervorzurufen, die bei den meisten anderen Menschen nicht zu beobachten sind. Gerade das ist ein feiner, aber spezieller Unterschied. Bei Menschen ohne Misophonie zeigen sich solche Symptome nicht. So lässt es sich leichter abgrenzen.
Wie ich schon in meinem letzten Beitrag erwähnt habe, scheinen misophonische Reaktionen nicht durch die Lautstärke auditiver Reize ausgelöst zu werden, sondern eher durch das spezifische Muster oder die Bedeutung für die jeweilige Person. Wenn zum Beispiel die Eltern früher am Essenstisch ständig gestritten haben. Dann hat das Gehirn eine Verknüpfung zwischen den Kaugeräuschen und der vergifteten Atmosphäre hergestellt.
Triggergeräusche sind oft repetitiv. Sie wiederholen sich ständig. Das können alle möglichen Geräusche sein wie das Tippen auf einer Tastatur, das Kauen beim Essen oder das Ticken der Uhr. Des Weiteren handelt es sich bei den Triggergeräuschen meistens um Reize, die durch ein anderes Individuum hervorgerufen werden. Insbesondere solche, die durch den menschlichen Körper entstehen.
Ich denke, darunter kann sich jeder etwas vorstellen. Sei es das Kauen, das Schlucken, die Nase hochziehen, das Schlürfen der Suppe oder das Knacken mit den Fingern. Menschen verursachen definitiv die meisten Trigger bei Misophonikern. Meistens auch Personen, die uns sehr nahe stehen oder mit denen wir regelmäßig zu tun haben.
Falls Du nicht weißt, wie Du im Alltag damit umgehen oder wie du über die Misophonie sprechen kannst, dann darfst Du mich jederzeit kontaktieren. Du findest mich auch auf Instagram und zwar genau hier. Ich helfe Dir sehr gerne dabei, Deine Misophonie in den Griff zu bekommen.

Was sonst noch zur aktuellen Misophonie Definition gehört

Kommen wir zu einem weiteren Hauptmerkmal der Misophonie Definition: Sobald der Betroffene einen Trigger erkannt hat, bekommt er Schwierigkeiten, sich von dem Geräusch abzulenken. Dabei kann der auditive Reiz noch so leise sein. Wurde er einmal von dem Misophoniker registriert, kann er ihn nur schwer bis gar nicht ignorieren.
Durch die Misophonie kann es zu Stress, Leiden oder Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen oder akademischen Bereich kommen. Und davon kann ich selber berichten. Ich habe mal eine Klausur in den Sand gesetzt, weil ich sie in einer Aula mit 100 Leuten schreiben musste. Durch die Geräuschkulisse war ich so sehr getriggert, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Mittlerweile besteht allerdings für Studenten und Schüler die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu beantragen, wenn sie unter Misophonie leiden. Was das genau ist und wie das funktioniert? Die Antworten findest du in meinem neuen Buch „Misophoniker Bodyguard“.
Bei der Misophonie kann der Schweregrad und die Ausprägung der Symptome variieren. Das kann zu leichten bis schweren Beeinträchtigungen führen.
Die meisten Misophoniker sind sich bewusst, dass ihre Reaktionen auf bestimmte Geräusche unverhältnismäßig sind. Misophonie-Symptome werden typischerweise erstmals in der Kindheit oder Pubertät beobachtet. Ich kenne das von mir selber. Mir war schon sehr früh bewusst, dass mein Hass auf spezielle Geräusche ungewöhnlich war. Als ich noch ein Kind war, gab es leider noch keine offizielle Misophonie Definition. Das hat sich glücklicherweise geändert. Und das kann man durchaus als einen immensen Fortschritt betrachten.
Aber wie fallen die Reaktionen auf bestimmte Reize aus? Welche funktionalen Einschränkungen bringen sie mit sich? Was sind überhaupt Reize und Trigger? Wie werden sie definiert? Und welche Verbindungen zu anderen Krankheiten gibt es? Die Antworten auf diese Fragen findest Du in den nächsten Abschnitten.

Reaktionen auf Trigger und die daraus resultierenden Einschränkungen

Laut der offiziellen Misophonie Definition können Betroffene auf Trigger mit einer Reihe von negativen, gefühlsgeladenen Reaktionen reagieren. Das äußert sich meistens mit Gefühlen wie Wut, Ekel, Angst und sogar Zorn. Des Weiteren können Trigger auch eine erhöhte autonome Erregung hervorrufen, wie erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Herzfrequenz oder Schwitzen. Und in einigen Fällen führen Trigger sogar zu einer starken Verhaltensreaktion wie Erregung oder Aggressionen gegen die Person, die den Reiz auslöst. In seltenen Fällen kann sich diese Aggression in körperlicher oder verbaler Gewalt äußern. Wobei das häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen beobachtet wird.
Um die Reaktion auf einen Trigger abzuschwächen, zeigen Misophoniker oft folgende Verhaltensweisen: Sie fliehen aus der Situation oder vermeiden sie bereits im Vorfeld. Nicht selten versuchen sie die auslösenden Reize irgendwie zu unterbrechen. Manchmal ahmen sie das entsprechende Geräusch sogar nach, um es auditiv zu übertönen.
Welche funktionalen Einschränkungen ergeben sich daraus? Reaktionen auf Trigger können erheblichen Stress verursachen. Zu psychischen Problemen beitragen. Und das Alltagsleben stark beeinträchtigen. Dabei sind Einschränkungen auf akademische und berufliche Funktionen möglich. Das Resultat können Konzentrationsschwierigkeiten sein. Oder die Unfähigkeit bestimmte Arbeitsaufgaben auszuführen. Bei einigen ist sogar das Sozialverhalten beeinträchtigt.
Die Stärke der Reaktion kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Der Kontext, in dem der Stimulus angetroffen wird. Übersetzt bedeutet es die eigene Stimmung im Moment der Triggers. Ein weiterer Faktor ist der Grad der Kontrolle über den Trigger. Wenn ich die Quelle des Triggers jederzeit beenden kann, geht es mir besser damit. Hinzu kommt die zwischenmenschliche Beziehung zu der Quelle des Triggers. Bin ich schlecht auf jemanden zu sprechen, reagiere ich heftiger als bei Leuten, die ich mag. Selbsterzeugte Stimuli lösen typischerweise nicht dieselben aversiven Reaktionen aus, wie Trigger, die von anderen Personen erzeugt werden. Gleichwohl muss ich betonen, dass ich in meinem Mentoring-Programm schon Personen hatte, die sich selber getriggert haben. Auch das ist in seltenen Fällen möglich. Und für die Betroffenen sehr schwer, weil sie selber die Quelle des Triggers sind und somit nur schwer entkommen können.

Was sind Trigger und welche Verbindungen zu anderen Erkrankungen gibt es?

Obwohl jede Person ein individuelles Set an Triggern hat, gibt es einige Gemeinsamkeiten. Dabei fallen auditive Trigger am meisten ins Gewicht. Die Misophonie Definition beschreibt besonders Geräusche, die mit oralen Funktionen verbunden sind. Zu den am häufigsten berichteten Triggern gehören: Kauen. Schlucken. Besonders alle Formen von Essgeräuschen. Schlürfen. Mit den Lippen schmatzen. Husten und Räuspern. Aber auch nasale Geräusche wie Atmen oder Schniefen gehören in den Katalog der unliebsamen Trigger.
Weitere auditive Trigger sind: Geräusche, die nicht nasal oder oral verursacht werden. Wie zum Beispiel das Klicken eines Stiftes oder das Tippen auf einer Tastatur. Schlurfende Schritte und das Tippen mit Füßen oder Fingern gehören ebenfalls zu dieser Kategorie. Eine weitere Kategorie sind Geräusche, die von Objekten verursacht werden. Darunter fallen dann unter anderen das Ticken einer Uhr oder Töne, die von Tieren erzeugt werden.
Es gibt neben den auditiven Triggern, aber auch visuelle. Dabei kann es sich um wackelnde oder schwingende Beine handeln. Das Scrollen mit dem Finger über die Handytastatur. Oder der bloße Anblick, wie jemand sein Essen kaut. Selbst wenn man die dazugehörigen Geräusche nicht wahrnimmt.
Welche Verbindung zu anderen Krankheiten oder Störungen gibt es? Die Misophonie kann bei Menschen mit oder ohne normale Hörschwellen vorhanden sein. Sie kann alleine auftreten. Oder in Kombination mit den Hörstörungen Tinnitus und Hyperakusis. Gleichzeitig kann die Misophonie auch bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen auftreten. Unter anderen bei: Angststörungen. Stimmungsstörungen. Persönlichkeitsstörungen. Zwanghafte Störungen. Auch bei der posttraumatischen Belastungsstörung, der Autismus-Spektrum-Störung oder ADHS.
Wie Du merkst, ist die finale Misophonie Definition ein komplexes Thema. Aber auch ein wichtiger Schritt bei der Erforschung der Misophonie. Allerdings hat Stand heute die offizielle Definition noch kein Peer Review durchlaufen und ist demnach noch nicht durch eine externe Stelle begutachtet worden. Sobald dies geschieht, werde ich Dich selbstverständlich informieren. Und obwohl es eine erste allgemeine Definition gibt, wurde die Misophonie immer noch nicht in den Katalog für psychiatrische oder auditive Erkrankungen aufgenommen. Auch hier darf man weiter gespannt sein.

Was das jetzt für Misophoniker bedeutet

Die offizielle Misophonie Definition sorgt für ein besseres Verständnis, was die Misophonie eigentlich ist. Und was sie nicht ist. Somit ergibt sich mehr Klarheit für Misophoniker, aber auch deren Angehörigen. Früher wusste man mit dieser Erkrankung nicht viel anzufangen. Sie war eine Fremde. Eine Unbekannte, die vielen das Leben erschwert hat. Man wurde nicht ernst genommen und litt im Stillen weiter. Aber durch die offizielle Misophonie Definition hat man jetzt einen wissenschaftlichen Rückhalt. Man kann sich auf sie berufen und hat endlich einen Beweis, dass die Misophonie mehr als nur Einbildung ist. Die Zeiten von „Stell dich nicht so an!“ oder „Höre einfach weg!“ gehören somit der Vergangenheit an.
Außerdem handelt es sich um einen Fortschritt in der Forschung zum Verständnis der Störung. Und verbessert zudem die Entwicklung einheitlicher und wirksamer Behandlungsmethoden. Denn diese Definition ist ein wichtiger Schritt, um einen Zusammenhalt in das Feld von Forschern und Kliniken zu bringen, die versuchen, Menschen mit Misophonie besser zu verstehen und zu helfen. Und das wiederum begünstigt die Vergleichbarkeit von Studien zu diesem Thema.
Lass mich Dir noch etwas mitteilen. Obwohl das Wort „reflexartig“ es nicht in die offizielle Definition geschafft hat, ist seine Verwendung dennoch eine gute Möglichkeit, anderen die Misophonie verständlich beizubringen. In meinen Texten verwende ich auch den Begriff „Erkrankung“ für die Misophonie. In der Definition wird sie als Störung klassifiziert. Trotzdem empfinde ich beide Synonyme als charakteristisch und zutreffend.
Ich habe das Thema in einem Video für Dich zusammengefasst. Dabei verwende ich leicht verständliche Folien und erkläre Dir die einzelnen Punkte noch einmal ausführlich. Das Video findest Du wie immer unter diesem Absatz. Für mich ist der 07.04.2021 von hoher Bedeutung gewesen. Das wir 20 Jahre nach Entdeckung und Beschreibung der Misophonie zu einer einheitlichen Definition gekommen sind, fühlt sich einfach richtig an. Jahrelang habe ich mich alleine und nicht verstanden gefühlt. An einigen Tagen habe ich an mir gezweifelt und mich gefragt, was mit mir nicht stimmt. Heute wissen Du und ich endlich, dass die Misophonie eine echte Störung ist. Und man sich nicht dafür schämen muss. Das ist ein großer Schritt auf dem Weg zu mehr Verständnis.

Alles Gute,

Dein Patrick

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