Ungeduld - was ist das überhaupt?

Identifizierst Du Dich in Deinem Leben auch manchmal mit Hammersbald, dem nordischen Gott der Ungeduld? Du bist ungeduldig? Schluss damit! In Vorstellungsgesprächen wird die “Ungeduld” gerne als “positive” Schwäche genannt. Es soll positiv wirken indem im Subtext mitschwingt, dass derjenige auch engagiert und motiviert ist. Ja kann sein, aber im Grunde ist Ungeduld nicht sehr positiv. Die Ungeduld kann Dir im Leben so einiges vermiesen. Gerade wenn Du an Misophonie leidest wird Deine Geduld immer mal wieder auf die Probe gestellt. 

Wir betrachten in dem folgenden Blogartikel, woher Deine Ungeduld kommen kann, wie sie sich auf Dich auswirkt und wie Du lernen kannst, geduldiger zu sein und welchen Zusammenhang es zur Misophonie gibt.

Fangen wir vorne an. Was ist Ungeduld überhaupt? Als Ungeduld bezeichne ich eine innere Getriebenheit, mit der es Dir schwer fällt, auf etwas zu warten. 

Beispiel Ampel: Es reicht einem ungeduldigen Menschen nicht aus, dass er weiß, dass die Ampel auf jeden Fall irgendwann mal wieder grün wird. Nein, es muss JETZT sein. 

Wir wollen keine weitere Sekunde Zeit an dieser Ampel vergeuden. Wenn die Ampel nicht JETZT auf grün schaltet, werden wir nervös, unser Kopf wird rot, wir sind genervt und getrieben.

Beim Begriff Ungeduld lohnt sich auch ein Blick in den Online-Duden, um Synonyme zu recherchieren:

Ungeduld Synonyme
https://www.duden.de/rechtschreibung/Ungeduld, Synonyme zu Ungeduld

Eile, Gereiztheit, Getriebenheit, Spannung, Unruhe... WOW! Das ist deutlich. Das klingt sehr negativ und unentspannt. Die Ungeduld ist nicht der beste Ratgeber, wenn Du Dich entspannen willst. Du als Misophoniker wirst davon ein Liedchen singen können.

Geduld ist nichts anderes als die Fähigkeit warten zu können. Ob kurzfristig oder langfristig. 

Ob Du an der Ampel stehst und der Fahrer vor Dir fährt nicht innerhalb einer Millisekunde los, sobald es grün ist oder Du auf der Arbeit ein Problem nicht lösen kannst. Sobald Dir die Fähigkeit fehlt zu warten, bist Du ungeduldig.

Du musst auch langfristig geduldig sein, wenn es um die Entwicklung Deiner Persönlichkeit, so zum Beispiel wenn Du gelassener durchs Leben gehen möchtest.

 

Warum sind wir ungeduldig?

Wir Menschen streben nach kurzfristiger Bedürfnisbefriedigung. Konkret heißt das, dass wir sofort und unmittelbar eine Gegenleistung für unsere Bemühungen erwarten – ein Lob, ein Stück Schokolade, ein Ergebnis. 

Das kann theoretisch langfristige Erfolge gefährden, da man als ungeduldiger Mensch eher dazu tendiert, früher die Flinte ins Korn zu werfen. 

Geduld trainiert man sich in der heutigen Zeit aber auch leicht ab: Heutzutage bekommt man alles online, vieles ist nur ein Mausklick entfernt. 

Man muss nicht mehr lange warten, wenn man ein neues Musikalbum haben möchte. Über das Internet ist es möglich, binnen Sekunden einen Kauf zu tätigen; die Musik kann dann wenig später genossen werden. 

Wir üben uns immer weniger am Bedürfnisaufschub. Wir kriegen alles sofort und direkt. 

Zum Thema Ungeduld hat der YouTube-Kanal Glücksdetektiv ein aufschlussreiches Video veröffentlicht. Viel Spaß dabei:

Wie entsteht Ungeduld?

Ungeduld kann mehrere Ursprünge haben. Zum Einen kann Ungeduld dadurch entstehen, dass wir uns die ungeduldige Verhaltensweise unserer Eltern abgeschaut haben. 

Wenn die Eltern schon ungeduldig waren, dann kann es sein dass man selbst auch ungeduldig ist. Ich glaube nicht, dass Ungeduld vererbbar ist. 

Die Eltern sind aber natürlich maßgebliche Vorbilder in den ersten Jahren unseres Lebens. 

Somit eigenen wir uns deren Verhaltensweisen auch gerne an. Wir wissen es einfach noch nicht besser und adaptieren das Verhalten und denken es sei richtig.

Ein weiterer Grund für Ungeduld kann sein, dass wir uns viel zu viel vornehmen. Wir sehen nur unsere TODO Liste vor uns mit 527 Punkten und merken nicht, dass das viel zu viel auf ein mal ist. 

Dadurch entsteht ein Druck in der Brust, der uns gereizt macht. Die Fertigstellung der Aufgaben und der Gedanke im Hinterkopf, dass einfach viel zu viel zu tun ist, setzt uns unter Druck.

Ein anderer Grund kann sein, dass wir gereizt sind durch andere äußere Einflüsse. 

Beispielsweise machen uns die Geräusche vom Bürokollegen nebenan wahnsinnig. Dann kann es sein, dass wir ungeduldig in anderen Situationen reagieren. 

Eine genervte Grundstimmung ist schon mal eine super Voraussetzung, um herrlich ungeduldig und gereizt zu werden.

Tipps gegen Ungeduld

Okay, soweit verstanden. Aber gibt es auch Tipps, wenn ich ein ungeduldiger Mensch bin? Ja, die gibt es!

Tipps gegen Ungeduld
Tipps, die Dir gegen Deine Ungeduld helfen können.

Wollen wir nun etwas näher auf die obigen Punkte eingehen. Die Tipps gegen Deine Ungeduld im Detail:

Wie äußert sich Ungeduld und welche Auswirkungen hat sie?

Ungeduld äußert sich in negativen Gefühlen. Wir fühlen uns getrieben und sind unzufrieden. 

Es geht nichts schnell genug. Wir sind schlecht gelaunt, fühlen uns vielleicht überfordert, reagieren gereizt und sind genervt.

Wir geben eher auf, werfen die Flinte ins Korn, leben ein unruhiges Leben, sind unzufrieden, fühlen uns getrieben und erfolglos, zeigen depressive Züge, fühlen uns immer unter Druck, ständige Anstrengung belastet und schwächt uns, wir sind dauerhaft gereizt, können uns schlechter konzentrieren, machen Fehler, machen uns Vorwürfe, wir werden laut, wir werfen möglicherweise etwas gegen die Wand und sind in aggressiver Stimmung. Das will niemand. 

Ich sehe geduldige Menschen klar Vorteil: Menschen, die geduldig sind, werfen nicht so früh die Flinte ins Korn, geben eher selten auf und sind auf lange Sicht gesehen erfolgreicher. 

Sie haben einen längeren Atem und gehen positiver durchs Leben. Wenn Du nicht zu dieser Gattung zählst, ist das nicht so schlimm. 

Denn das Schöne ist, dass man Geduld lernen kann und trainieren kann, indem Du Dich jeden Tag ein paar Minuten in Geduld übst in Situationen, in denen Du normalerweise an die Decke gegangen wärst.

Wenn Du generell an Ungeduld anfällig bist und ein unruhiges und getriebenes Gemüt hast, probier es doch mal mit CBD.

Ich habe damit positive Erfahrungen gemacht und konnte meine Ungeduld etwas in den Griff kriegen und entspannter und gelassener sein.  

Ungeduld und Misophonie

Ich habe für mich persönlich rausgefunden, dass ich wesentlich empfänglicher für Trigger bin, wenn ich gestresst und getrieben bin. Ich bin dann wesentlich hellhöriger für die mich triggernden Geräusche. Geht es Dir auch so?  

Gleiches gilt damit auch, wenn ich auf etwas warten muss und es mir schwerfällt, diese Ungeduld aufzubringen, wenn ich ohnehin schon im Zeitdruck bin.  

Zudem bietet die Ungeduld und das damit einhergehende gestresste und getriebene Gefühl einen Nährboden für weitere Trigger. Die Triggerbildung bzw. die Entwicklung eines weiteren Triggers ist damit begünstigt. 

Ich denke auch hier liegt das Geheimnis und der Schlüssel darin, gelassener zu sein, eine innere Ruhe zu finden und entspannter zu sein. 

Auch ohne Misophonie ist es nicht gut für Dich, Dein Umfeld und Deine Gesundheit, wenn Du mit einer angespannten Grundstimmung durchs Leben gehst.

Versuche also immer die oben genannten Tipps gegen Ungeduld zu beherzigen, gerade wenn Du an Misophonie leiden solltest. Ebenfalls solltest Du im Hinterkopf behalten, dass es leider seine Zeit dauert, sich persönlich weiterzuentwickeln und sich eine Portion Gelassenheit anzueignen. Auch das erfordert natürlich Geduld! 

Zusammenfassung

Fassen wir zusammen: Du hast nun kennengelernt, woher Deine Ungeduld kommen kann. Wenn sie Dir antrainiert ist, dann trainier sie wieder ab.

Wenn Du ungeduldig bist, mach Dich deswegen nicht verrückt. Du hast Mittel und Wege kennengelernt, um situativ zu entscheiden, ob Du ungeduldig reagieren möchtest oder eben nicht. 

Übe Dich in Geduld, um die negativen Aspekte, wie innere Unruhe, Getriebenheit und Nervosität in den Griff zu bekommen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Lass Dich aber nicht entmutigen, wenn Du mal wieder ungeduldig reagierst. 

Arbeite weiter an Dir. Geduldig sein geht nicht von heute auf Morgen. Sei dankbar für das, was Du hast! (HIER geht es zum Artikel 11 einfache Dinge, für die Du trotz Deiner Misophonie dankbar sein kannst)

Rufe Dir immer wieder die Synonyme Eile, Gereiztheit, Getriebenheit, Spannung und Unruhe in den Sinn. Das sind wahrlich unangenehme Begriffe, mit denen niemand assoziiert werden möchte. Ich nicht und Du auch sicher nicht.

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